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Die Geschichte der Faszienrolle: Ein Hype der Neuzeit?

Bild von Faszienrolle, Duoball und Massageball
geschrieben von Faszien Gesundheit

Leidest Du an Rückenschmerzen oder Nackenverspannungen, weil Du Deinen Tag fast ausschließlich sitzend im Bürostuhl verbringen musst?

Ist innere Gereiztheit Deinen Arbeitskollegen und Freunden gegenüber schon fast an der Tagesordnung, weil Du mittlerweile fast täglich von dieser unendlich wirkenden Last auf den Schultern und Spannungskopfschmerzen begleitet wirst?

Ja?

Dann kann Dir eine Massage deiner Faszien mit einer speziellen Schaumstoffrolle effektiv und kostengünstig Linderung verschaffen.

Sind Muskelverspannungen und Faszienverklebungen die Ursache für deine Beschwerden, kann der gezielte Einsatz einer Faszienrolle diese Verspannungen und Verklebungen lösen.

Wer hat’s erfunden?

Über die Klärung der tatsächlichen Herkunft der Faszienmassage gibt es unterschiedliche Quellen.

Jürgen Dürr, einer der Pioniere am Markt, wenn es um Faszienrollen geht, führt auf Fragen nach seiner Idee zur Faszienrolle gerne Jürgen Klinsmann als Inspirationsquelle auf.

Denn dieser hat schon 2007 während seiner Arbeit als Trainer der amerikanischen Nationalmannschaft die Muskeln seiner Spieler mit Schaumstoffrollen bearbeiten lassen.

Damals waren Faszien in der Wissenschaft noch weitgehend unerforscht und man schrieb ihnen auch keine allzu große Bedeutung zu.

Und die Rollen, die Jürgen Klinsmann damals verwendet hat, waren weiß und ähnelten ihrem Aussehen nach wohl eher einem Abfallprodukt aus der Teppichverarbeitung.

Doch beides hat sich gerade in den letzten Jahren sehr verändert.

Ein Hype der Neuzeit?

Die Massage der tiefer liegenden Muskelschichten und dem umliegenden Gewebe unter Ausnutzung der eigenen Körperschwerkraft ist keine Erfindung der Neuzeit.

Moshè Feldenkrais, eigentlich gelernter Ingenieur, hatte schon in der Pubertät eine Vorliebe für den inneren Ablauf der menschlichen Bewegung.

In den 1940er-Jahren entwickelte er in Vorlesungsreihen mit anderen, vor den Nazis geflohenen Wissenschaftlern, die Feldenkrais-Methode.

Dieses Verfahren zielt darauf ab, die Teilnehmer anzuleiten, durch gezielte Wahrnehmungs- und Bewegungsübungen sensibler und bewusster für sich selbst zu werden und dadurch die Fähigkeit zu schulen, über ihre vermeintlichen Grenzen hinweg zu gehen.

Und schon Feldenkrais und im Folgenden auch die in der Feldenkrais-Methode ausgebildeten Lehrer ließen ihre Teilnehmer Rollen aus Holz verwenden, um die Tiefe ihres Körpers wahrzunehmen.

Wie findet die Faszienrolle ihren Weg ins Heute?

Robert Schleip bildet die Brücke zwischen dem ersten Einsatz von Holzrollen bis zum heutigen Hype und dem Einzug der Faszienrolle in Fitnessstudios, physiotherapeutische Praxen und Yoga-Kurse.

Er war selbst in den 1970er-Jahren ausgebildeter Feldenkrais-Lehrer, arbeitete lange Zeit als Therapeut für alternative Körper- und Bewegungsverfahren und konnte vielen Betroffenen mit einer Art Bindegewebsmassage (Rolfing) zur Linderung ihrer Beschwerden verhelfen.

Doch irgendwann wollte er es genau wissen. Er studierte und promovierte im Fach Humanbiologie. Zusammen mit anderen Kollegen arbeitet er heute forschend und experimentell an der Universität Ulm in einer eigenen Faszien-Forschungseinheit und liefert seitdem Erkenntnisse und Ergebnisse, die das Bild der Wissenschaft von Faszien grundlegend verändert.

Was kann Faszienmassage?

Faszien können sich verkleben und verkürzen. In unserem Körper befinden sich überall Faszien. Sie umgeben die Muskeln, aber auch innere Organe, Sehnen und Gelenke mit einer Haut aus Bindegewebe und durchziehen so den gesamten Körper wie eine Art Netz.

Schleip und seine Kollegen konnten experimentell feststellen, dass sogenannte Stressbotenstoffe die Zellen der Faszien dazu bringen können, sich zusammenzuziehen und zu verkleben.

Also auch ohne das Vorhandensein von Muskeln können Faszienzellen sich verkürzen und sich miteinander verbinden, was eine ungehinderte Muskelarbeit verhindert und zu Schmerzen führt.

Einsatz der Faszienrolle:

Du kennst das sicher von Deinen Sitzungen beim Physiotherapeuten, die Dir Dein Arzt verschrieben hat.

Der Therapeut fährt über Deinen Rücken und auf einmal erwischt er sie – diese kleinen Punkte, die einerseits so schmerzhaft sind, aber auch Erleichterung bringen, wenn sie von außen etwas mehr bearbeitet werden.

Unter diesen Punkten sitzen die Muskelverspannungen und die Verkürzungen der Faszien. Genau hier setzt die Faszienrolle an.

Schleip hat schon während seiner Tätigkeit als Therapeut die Vermutung gehabt, dass gezieltes Bearbeiten dieser Punkte den Stoffwechsel in diesem Gebiet anregt und den Flüssigkeitsabtransport fördert.

Das zielgerichtete Rollen der schmerzenden Körperareale über eine Faszienrolle massiert unter Ausnutzung der eigenen Körperschwerkraft diese Punkte von außen.

Das kostet am Anfang ein bisschen Überwindung, denn es schmerzt bei dieser Art der Selbstmassage genauso wie beim fachmännischen Griff durch den Physiotherapeuten.

Aber bei regelmäßiger Bearbeitung der schmerzenden Punkte wirst Du schon bald, vielleicht sogar schon bei der ersten Anwendung, eine Linderung verspüren.

Denn durch den Reiz von außen werden die verklebten Stoffe zwischen den Faszien wieder flüssiger und können vom Körper abtransportiert werden. Dadurch werden die Muskeln und Faszien wieder lockerer und geschmeidiger.

Fazit zur Geschichte der Faszienmassage:

Die Massage mit der Faszienrolle ist kein Zauberwerk und auch bei Weitem kein Hype der Neuzeit.

Schon im letzten Jahrhundert wurden Rollen zur gezielten Massage und Wahrnehmung der Tiefen des Körpers benutzt.

Zwar änderte sich erst in den letzten Jahren tatsächlich auch die Haltung der Wissenschaft gegenüber dem Stiefkind ‚Faszien‘, aber sie waren schon viel länger als Mitverursacher für zahlreiche Beschwerden in den Köpfen der Therapeuten.

Aktuell befinden wir uns auf dem Weg dazu, Rückenbeschwerden nicht isoliert durch einen Verursacher zu betrachten, sondern als Symptom aus mehreren verursachenden Komponenten, die es gilt in einem ganzheitlichen Therapiekonzept zu behandeln und zu bearbeiten.

Die Faszienmassage und die Bearbeitung einzelner Körperareale mit Hilfe etwaiger Faszien-Tools und Fitness Rollen kann ein Teil davon sein.

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Faszienrollen und Faszientools sind in aller Munde. Dabei ist die ganze Kiste eigentlich im Wesentlichen keine neue, aber durchaus sehr
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