Therapieformen

Fasziendistorsionsmodell: Was es ist und wie es hilft

Fasziennetz vom ganzen Körper
geschrieben von Faszien Gesundheit

Rückenprobleme lösen durch das Fasziendistorsionsmodell

Einleitung

Immer mehr Menschen leiden an orthopädischen Problemen. In der BRD haben bereits jede fünfte Frau und jeder siebte Mann chronische Rückenbeschwerden. Zwei Drittel aller Deutschen geben an, gelegentlich Rückenbeschwerden zu haben.

Die orthopädischen Probleme der Deutschen entwickeln sich zu einer Volkskrankheit. Dabei können nur zwanzig Prozent aller Fälle durch die allgemeinmedizinischen Untersuchungsmethoden erklärt werden. Die meisten Betroffenen erleben somit chronische körperliche Beschwerden ohne eine Erklärung für die Symptomatik zu finden.

Hinzu kommt noch ein allgemeinmedizinisches Verfahren, dass sämtlichen zwischenmenschlichen Anstand missen lässt und die Betroffenen häufig als Hypochonder oder Simulanten abstempelt. Ein alternatives Erklärungsmodell für die zahlreichen Beschwerden bieten neue Forschungserkenntnisse über die Faszien.

Was sind überhaupt Faszien?

Die Muskulatur des menschlichen Körpers ist von Faszien umgeben. Die Faszien werden auch einfach als Bindegewebe bezeichnet. Vor dem Kochen und Braten wird Fleisch häufig vorbereitet, indem die Faszien, also das weiße Bindegewebe an den Außenseiten der Fleischstücke abgeschnitten werden. Hier kann man die Eigenschaften der Faszien gut erkennen. Es handelt sich um elastisches und rissfestes Gewebe. Wegen dem äußerst zähen Charakter der Faszien muss manchmal sogar ein Beil verwendet werden, um die Faszien vom Fleisch zu trennen.

Faszien im Rücken

Faszien

Die Faszien spielten bis dato in der medizinischen Wissenschaft nur eine geringe beziehungsweise gar keine Rolle. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass die modernen bildgebenden Verfahren wie das MRT (Magnetresonanztomografie) oder die Röntgenaufnahme nur Muskel- und Knochenaufbau wiedergeben können.

Durch ein spezielles Ultraschallverfahren können die Faszien mittlerweile jedoch gut dargestellt werden und es wird deutlich, dass Faszien mehr sind als reines Bindegewebe. So zeigen die Ultraschallaufnahmen auch, dass Faszien verhärten und verfilzen können und so orthopädische Probleme auslösen. Weiterhin wurde nachgewiesen, dass die Faszien von einem dichten Nervennetz durchdrungen sind, hier also auch Schmerz empfunden werden kann. Faszien reagieren zudem auch auf Stress – sie ziehen sich durch den Kontakt mit Stresshormonen zusammen. Orthopädische Beschwerden könnten also nicht nur durch falsche Bewegungsabläufe und einseitige Arbeitssituationen entstehen, sondern auch durch zu starken Stress begünstigt werden.

Und was macht jetzt die Schulmedizin?

Dennoch stehen im Vordergrund der schulmedizinischen Untersuchungen immer noch Knochen- und Muskulaturprobleme. Die Beschwerden vieler Patienten werden also auf Körperteile gelenkt, bei denen häufig gar keine Probleme vorhanden sind. So lassen sich viele Menschen aufgrund der massiven Schmerzen auch ohne wirkliche Indikation an den betroffenen Stellen operieren.

Da auch diese Verzweiflungsoperationen die Schmerzen häufig nicht lindern, suchen die Betroffenen anschließend weiter. So kommen viele Patienten erst nach einem wahren Ärztemarathon zu einem guten Physiotherapeuten, der das Fasziendistorsionsmodell anbietet.

Was ist das Fasziendistorsionsmodell nach Typaldos?

Das Behandlungskonzept wurde von Dr. Stephan Typaldos entwickelt. Dr. Typaldos war ein amerikanischer Osteopath und Notfallmediziner. Er entwickelte das Behandlungskonzept in den Jahren 1991 bis 1993 und wurde zum ersten Faszien Spezialist.

Ihm fiel auf, dass viele Patienten mit ungeklärten orthopädischen Beschwerden die gleiche Symptomatik beschrieben und stellte sein Behandlungskonzept hierauf ein. Bei dem Fasziendistorsionsmodell nach Typaldos steht deswegen die Schmerzbeschreibung der Patienten im Mittelpunkt der physiotherapeutischen Behandlung. Allgemeinmedizinische Ergebnisse dienen hier lediglich als Hintergrundwissen. Im Vordergrund der Faszientherapie steht das individuelle Erleben der Betroffenen und die hieraus gewonnenen Informationen.







Stephen Typaldos

So entsteht die Anamnese durch verbale und gestikulierte Beschreibungen des Patienten und zielt darauf ab, eine effiziente Behandlung am Menschen zu ermöglichen. Durch den gewonnen Informationsgehalt entsteht ein klares Therapiekonzept und der Symptomkomplex kann nachvollzogen werden.

Wann wird die FDM Therapie angewandt?

Die FDM Therapie verzeichnet starke Erfolge bei der Behandlung von orthopädischen Problemen wie Sehnen- und Gelenkschmerzen, als auch bei Muskelschmerzen. Es werden sowohl Probleme, die durch eine kontinuierlich falsche Haltung im Alltag entstehen, wie Rücken und Schulterschmerzen, als auch ernsthafte Sportverletzungen an Sprung- oder Kniegelenken erfolgreich behandelt.

Leider haben neue Theorien und Ansatzpunkte im universitären Umfeld der Allgemeinmedizin einen schweren Stand. So wird das Fasziendistorsionsmodell noch heute von vielen Ärzten nicht als seriöses Behandlungskonzept angesehen.
Erschwerend kommt hinzu, dass Dr. Typaldos einen wissenschaftlichen Nachweis für die Wirksamkeit des Behandlungskonzepts nicht erbringen konnte. Jedoch lieferte seine erfolgreiche praktische Arbeit genug Beweise für die Wirksamkeit der Faszientherapie.

Welche Behandlungsmethoden werden verwendet?

Da Dr. Typaldos bei seinen Beobachtungen als Faszientherapeut feststellen musste, dass die Beschreibungsmuster der Patienten sich trotz unterschiedlicher medizinischer Diagnosen immer wieder sehr stark ähnelten, teilte er die Faszientherapie in sechs Untereinheiten auf. Die Untereinheiten des Fasziendistorsionsmodells richten sich nach der individuellen sprachlichen und körperlichen Beschreibung der Betroffenen.

Die sechs Fasziendistorsionen werden benannt als:

  1. Continuumdistorsion

    Hier wird durch auftretende Kräfte in den Übergangszonen von Bindegewebe und Knochen eine Störung ausgelöst. Infolgedessen ist der Körper nicht mehr in der Lage, auftretende Kräfte innerhalb der Übergangszonen ausreichend zu kompensieren. Die Schmerzen einer Continuumsdistorsion können punktuell lokalisiert werden. Starke Druckbewegungen an den spezifischen Stellen können den Körper dazu anregen, den alltäglichen Belastungen in den betroffenen Übergangszonen wieder angemessen standzuhalten.

  2. Triggerband

    Als Triggerband wird die Kalzifizierung, Verdrehung oder Aufspaltung der Faszie bezeichnet. Das Triggerband resultiert aus einer Fehlbelastung und wird von Patienten häufig als ein ziehender Schmerz beschrieben, der linienförmig lokalisiert wird.
    Starke Druckbewegungen können hier ebenfalls an den betroffenen Stellen eine Entkalzifizierung, Entdrehung, beziehungsweise Schließung des Triggerbandes gewährleisten.

  3. Hernierter Triggerpunkt

    Bei hernierten Triggerpunkten handelt es sich um Gewebe, dass durch die Faszienschichten nach außen gedrückt wurde und nicht mehr in die ursprüngliche Position zurückweichen kann. Hernierte Triggerpunkte zeichnen sich durch dumpfe Spannungs- und Druckschmerzen aus. Mit starkem Druck auf die lokalen Schmerzzentren kann das Gewebe an den vorgesehenen Ort zurückweichen.

  4. Faltdistorsion

    Faltdistorsionen entstehen durch falsch ausgeführte Rotationen in Kombination mit Zug- und Kompressionskräften. Die Schmerzen werden hierbei als „tief in den Gelenken liegend“ beschrieben. Hieraus kann eine mangelnde Gelenkbeweglichkeit entstehen und infolgedessen ein Instabilitätsgefühl einsetzen. Ein spezielles Verfahren der Traktions- und Kompressmanipulation können die Schmerzen beheben und die gestörte Gelenkfunktion wiederherstellen.

  5. Zylinderdistorsion

    Kommt es bei den oberflächlich liegenden Zylinderfaszien zu Verhakungen, so wird dies als Zylinderdistorsion bezeichnet. Gewöhnliche Zug- und Druckkräfte können somit nicht mehr ausreichend kompensiert werden und es treten Schmerzen auf. Bei der Zylinderdistorsion ist eine sehr unterschiedliche Beschreibung von Betroffenen zu erkennen. Viele Patienten versuchen den aufkommenden Schmerz mit der Handfläche und einem unspezifischen Streichen über eine größere Körperregion festzumachen. Mit streichenden Druckbewegungen können Zylinderdistorsionen an den betroffenen Körperstellen ebenfalls gelöst werden.

  6. Tektonische Fixation

    Eine tektonische Fixation findet in den großen Gelenken statt und kann völlig symptomlos und schmerzfrei ablaufen. Infolge der tektonischen Fixation kommt es zu einem Verlust der Gleitfähigkeit der betroffenen Faszien und es setzt eine massive Unbeweglichkeit der Patienten ein. Eine Wiederherstellung der Beweglichkeit der Gelenke kann nur durch eine sehr intensive physiotherapeutische Arbeit geleistet werden.

Wie läuft die FDM-Therapie genau ab?

Zunächst wird durch ein intensives Gespräch abgeklärt, welches Beschwerdebild vorliegt. In der Anamnese werden auch allgemeinmedizinische Befunde besprochen, um eine Kontrainduktion auszuschließen.

Da nun ein genaues Behandlungsziel definiert wurde, kann die praktische FDM-Behandlung beginnen. Der Patient macht sich an den betroffenen Körperstellen frei und der Physiotherapeut beginnt mit dem praktischen Teil der Therapie. Die vorliegenden Faszienverformungen werden nun durch geschulte Handgriffe korrigiert. Starke Druckmassagen werden auf spezielle Regionen des Körpers ausgeübt. Je nach Beschwerdebild wird punktuell oder in großflächigen Bahnen gearbeitet. Im Bereich der Gelenke werden vom Physiotherapeuten weitere Distorsionen durch Kompressionen und Traktionen gelöst.

Die Behandlung findet immer mit gleichzeitiger Absprache des Patienten statt. So wird während der FDM Therapie gezielt auf die Empfindungen eingegangen und ein ausgefeilter Symptomkomplex wird erarbeitet. Je nach Aussage des Patienten kann die Behandlung darum dynamisch und individuell zugeschnitten werden.

Sollte ein Behandlungserfolg ausbleiben, können weitere anamnestische Gespräche und praktische Behandlungsmaßnahmen vorgenommen werden. Geht das Konzept auf, so wird die Therapie fortgesetzt.

Wichtig für die FDM-Therapie ist die Arbeit am und mit dem Menschen. Hier steht die Schmerzbeschreibung des Patienten im Vordergrund und auf eine schulmedizinische Bevormundung wird gänzlich verzichtet.







Informationsfilm zum Fasziendistorsionsmodell

Welche Entwicklungen bestehen in der Faszienforschung?

Das Interesse an der FDM Behandlung rückt gerade in der modernen Zeit immer weiter in den Mittelpunkt der orthopädischen Forschung. Da immer mehr Menschen durch eine einseitige berufliche Tätigkeit orthopädische Beschwerden entwickeln, besteht ein gesteigertes Interesse an der Lösung der immer zahlreicher auftretenden Probleme.

Der namhafte Physiotherapeut und Sportmediziner Klaus Eder ist Faszientherapeut und hat die FDM Behandlung in den Leistungssport eingeführt. Er betreut mit seinen Händen und Foam Rollern erfolgreich die deutsche Nationalmannschaft und wird auch von vielen weiteren bekannten Leistungssportlern aufgrund des innovativen Behandlungskonzepts aufgesucht.

Der erste Faszien Kongress fand im Jahr 2007 in Boston mit der Bezeichnung Fascia Research Congress statt. Seit diesem internationalen Treffen nimmt das Interesse weiter zu und eine internationale Faszienforschung entsteht. Fasziennetze und die extrazelluläre Matrix sind heutzutage Gegenstand etablierter wissenschaftlicher Studien.

Im Jahr 2012 gründete sich die Ifdmo (international fascial distorsion model organisation), um das Modell weiter zu etablieren. So organisiert die Ifdmo zahlreiche Seminare und Lehrgänge, um interessierte Physiotherapeuten zu informieren. Hier können sich die Menschen über die FDM Therapie Erfahrungen austauschen. Weiterhin kann hier das Behandlungskonzept von Physiotherapeuten in einer FDM Fortbildung erlernt werden. Die FDM Fortbildung kann von Physiotherapeuten sowohl zur praktischen Einsicht in neue Behandlungsmethoden genutzt werden, als auch zur generellen Erweiterung des eigenen Horizonts.

Ziel ist es, dass immer mehr Betroffene von einem ausgewiesenen Faszien Spezialist behandelt werden. Zusätzlich bietet das Internet eine gute Anlaufstelle für Physiotherapeuten und Betroffene, um FDM Therapie Erfahrungen auszutauschen.

Dieser Artikel behandelt ein gesundheitliches Thema. Er dient explizit nicht zur Selbstdiagnose und ersetzt auch keine ärztliche Diagnose. Bitte lesen und beachten Sie unbedingt unsere Hinweise zu gesundheitlichen Themen.

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Fasziendistorsionsmodell: Was es ist und wie es hilft
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In diesem Artikel erfährst du, was genau das Fasziendistorsionsmodell ist und wie es Dir dabei helfen kann gesund zu bleiben oder gesund zu werden
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